An(ge)dacht

von Superintendentin Uta Krusche-Räder

Jesus Christus spricht: Meine Kraft
ist in den Schwachen mächtig.
2. Korinther 12.9

Was beeindruckt uns eigentlich? Hau den Lukas! Der stärkste Mann der Welt! Großes ist stark! Kleines ist schwach!? Wer will schon klein sein? Gleich gar nicht schwach! Ich auch nicht! Denn welche Chance hat die Schwäche? Elefant gegen Maus. Das Ergebnis ist klar! Wer will da nicht lieber Elefant sein? Sich seiner Schwachheit rühmen? Das kommt doch nicht in Frage! Zeigen, was wir zu bieten haben, das ist wichtig. »Benennen Sie Ihre Stärken!«, heißt es im Bewerbungsgespräch. Gefragt ist, was ich schon geleistet habe. Alle sollen doch sehen, was ich kann und wer ich bin. Gesucht werden starke und tadellose Menschen, zumindest wenn es um andere geht – Bundespräsidenten eingeschlossen!
Paulus war kein Vorzeigemensch. Zuerst war er der Verfolger der Christen und damit auch der Verfolger Jesu. Und später? Ein erfolgreicher Missionar? Der sieht anders aus! Ja, er hatte viele Menschen erreichen können mit der Botschaft von Jesus Christus. Aber manches ist auch gescheitert. Er kam an seine Grenzen. Er war krank. Epilepsie – das war vielleicht die Diagnose. Er hatte schon manchmal versagt. Sich seiner Schwachheit rühmen – wie kommt er bloß auf so eine Idee?
Paulus schreibt von seinem Leiden. Er schreibt davon, dass er immer wieder zu Gott gebetet hat. Und er bekennt seinen Glauben, sein Vertrauen in den, der sagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.
Paulus ist verzweifelt. Gerade da spricht Jesus ihn an. Das ist der Jesus, der wusste, was Schwäche bedeutet. Die Menschen, die ihm beim Einzug in Jerusalem zujubelten, schrien wenig später: Kreuzige ihn! Die Mächtigen machten ihm den Prozess. Der Gottessohn wurde verhöhnt, bespuckt, erniedrigt. Das Kreuz ist wohl das Zeichen größter Schwachheit.
Ich glaube an Jesus Christus, gekreuzigt, gestorben und begraben. Hinabgestiegen in das Reich des Todes.
Aber seine und damit auch unsere Geschichte geht weiter: Am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes.

Liebe Gemeinde,
noch ist das Jahr 2012 jung. Wie oft werden wir schwach sein? Haben wir genügend Kraft, all dies zu bewältigen, was wir erleben werden? Eines dürfen wir in allem glauben: Gott will unsere leeren Hände mit seinem Segen füllen. Das ist seine Zusage für uns in diesem neuen Jahr.
Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass wir in unseren Schwächen die Stärkung Gottes erfahren können und die Freude darüber, dass Gott auch aus dem Kleinsten Großes wachsen lassen kann.

Ihre Uta Krusche-Räder

Weise mir, Herr, deinen Weg;
ich will ihn gehen in Treue zu dir.

 Bibelsymbol mit Hinweis auf die Textstelle Johannes, Kapitel 15, Verse 1 bis 8

Psalm 86,5