An(ge)dacht

 

Monatsspruch Oktober

Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr und Gott,
du Herrscher über die ganze Schöpfung.
Gerecht und zuverlässig sind deine Wege,
du König der Völker. Offenbarung 15,3

Liebe Gemeinde,

sind Sie in den Nachrichten der letzten Zeit auch schon auf Bilder des James-Webb-Weltraumteleskops gestoßen? Dieses Teleskop wurde von einer am 25. Dezember 2021 gestarteten Rakete an einem der sogenannten Lagrange-Punkte platziert, an dem sich die Schwerkraft zwischen Sonne und Erde aufheben. So kann das Teleskop in einem immer gleichen Abstand der Erde auf ihrer Umlaufbahn folgen. Die komplizierte Technik des Auseinanderfaltens des Spiegels hat auf Anhieb funktioniert und seit 11. Juli dieses Jahres wurden Bilder und ermittelte Daten der Öffentlichkeit vorgestellt, die nie gesehene Details aus dem Weltraum offenbaren.

Dazu gehört eine Galaxie, die über unvorstellbare 13,5 Milliarden Lichtjahre von uns entfernt ist und damit vor ebenso langer Zeit entstanden ist. Das ist auf der Zeitskala nur ein Augenzwinkern vom Beginn des Universums entfernt. Es gibt neue faszinierende Bilder von Sternentstehungsgebieten und Daten von Planeten entfernter Sterne, die Wasser enthalten. Das Teleskop liefert großartige und für mich auch schöne Bilder wie der scheinbare Tanz von fünf Galaxien (Stephans Quintett) umeinander. Ich gebe zu, ich könnte meine Begeisterung über diese Bilder und wissenschaftlichen Erkenntnisse noch so lange ausführen, dass sie die ganzen Kirchennachrichten füllen würden. Wer ein wenig von dieser Begeisterung teilen kann, findet im Internet genügend Material. Und so will ich an dieser Stelle darauf verweisen.

Meine Begeisterung hat aber auch ganz viel mit dem Monatsspruch für diesen Oktober zu tun. Noch nie hat es für mich einen Widerspruch zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und dem Schöpfungsglauben gegeben. Ein Widerspruch, der manchmal von der einen oder der anderen Seite aufgebaut wird. Das geschieht meist, um entweder wissenschaftliche oder andererseits glaubensgeleitete Erklärmöglichkeiten für die Welt abzuwerten. Aber Beweiskraft hat keine der beiden Positionen. Denn Wissenschaft kann die Vorgänge in der Welt wirklich gut erklären. Dennoch ist es ihr verwehrt, eine Antwort auf die Frage nach ihrem Letztgrund zu geben. Aber umgekehrt hat der Glaube daran, dass Gott dieser Letztgrund, dass sein Schöpfungshandeln seine erste Liebestat ist, es gar nicht nötig, der Wissenschaft ihr Erkenntnisse abzusprechen. Denn diese Erkenntnisse geben Auskunft darüber, wie die geschaffene Welt sich entwickelt hat und auf welchen Naturgesetzen dies beruht.

„Groß und wunderbar“ finde ich, wie die Welt gebaut ist und erfreue mich an ihrer Schönheit – die auch sichtbar wird, mit Hilfe von Wissenschaft und Technik. „Groß und wunderbar“ finde ich, dass in uns Menschen die Möglichkeit gelegt ist, zu solchen Erkenntnissen und Erfindungen in der Lage zu sein. Und dankbar bin ich, wenn uns dies zum Beispiel mit neuen Impfstoffen von Lebensbedrohungen befreien kann. Skeptisch bin ich, wenn nicht lang genug über neue Technologien nachgedacht wird und Bedenken weggeredet werden, die auf Folgeprobleme hinweisen.

„Groß und wunderbar sind deine Taten, gerecht und zuverlässig sind deine Wege“, das kann ich auch angesichts der Bilder aus dem Weltraum aus tiefstem Herzen mitbeten. Denn ich erfreue mich an der Schönheit dieser Welt und glaube, so schön ist sie von Gott gewollt – von allem Anfang an, den wir jetzt wieder ein wenig besser erkennen können. Und ich bin dankbar für alle Erkenntnis, die wir Menschen entwickeln konnten, diese Schönheit sichtbar werden zu lassen; dankbar auch für alle kulturellen, wissenschaftlichen und technologischen Errungenschaften in unserem Menschsein, die hilfreich und lebenserhaltend sind. Ich bleibe demütig in dem Gedanken an unser Nichtwissen und dass dies immer größer sein wird, als unser Wissen. Darum schließt sich für mich in dieses Gebet ein, dass uns all diese Schönheit lehrt, damit aufzuhören, zerstörerisch in dieser Schöpfung am Werk zu sein, sondern die „gerechten und zuverlässigen Wege“ zu finden, wie sie uns von Gott, dem Herrscher über die ganze Schöpfung, bereitet sind.

Cornelius Epperlein

Monatsspruch Dezember

Der Wolf findet Schutz beim Lamm,
der Panther liegt beim Böcklein.
Kalb und Löwe weiden zusammen,
ein kleiner Junge leitet sie.

Jesaja 11,6

Stephans Quintett (Foto: NASA)