An(ge)dacht

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseite,

nun gehen wir in diesem Jahr auf das zweite zentrale Fest unseres christlichen Glaubens unter außergewöhnlichen Umständen zu. Denn immer noch bzw. wieder sind das Gemeindeleben wie unser privates Leben stark von den Einschränkungen bestimmt, die die Coronapandemie hervorgerufen hat. Darum sind für die Monate Dezember und Januar wieder keine Kirchennachrichten erschienen, da zum vorgesehenen Termin des Redaktionsschlusses viel zu viele Ungewissheiten die Planung bestimmten.

Vielleicht macht uns allen die so erlebte Unsicherheit noch mehr zu schaffen als die Einschränkungen für unser Alltagsleben. „Vorfreude, schönste Freude im Advent“, so würden wir jetzt gern singen. Aber worauf können wir uns freuen?

Sind es nicht gerade die gewohnten und immer wieder gelebten Traditionen in den Familien, in der Gemeinde, die Zielpunkt unserer Freude sind: Die wärmende Runde des Zusammenseins im Advent und unter dem Weihnachtsbaum, die Töne des Weihnachtsoratoriums im Glanz der geschmückten Kirche, das Krippenspiel, das uns die Botschaft von Gottes Kommen nahebringt? Vieles davon geht nun nicht, oder muss ganz andere Formen finden. Auf das uns Bekannte und sich in guter Form Wiederholende („Alle Jahre wieder“) können wir uns jetzt nicht freuen. Das verlangt uns Einiges an Neugestaltung ab, an Phantasie dafür, was an diese Stelle treten könnte und an Aushalten.

Und plötzlich sind wir so mittendrin in den Tagen vor der Geburt des Gottessohnes. In der großen Unsicherheit des Lebens, in die hinein er geboren wurde. Wir sind so mittendrin in der Unplanbarkeit des Lebens, in die Maria und Joseph aufbrechen mussten. Wir sind so mittendrin in dem Unbehaustsein, in dem die Hirten ihr Dasein fristeten.

Und wir dürfen uns in all dieser Unsicherheit und Unplanbarkeit mitnehmen lassen in die Hoffnung der alten Verheißung, wie sie als Wort über der ersten Adventswoche steht: Gott will in unserem Leben sein als Gerechter und Helfer. Weihnachten wird es auch dieses Jahr, weil er sich auch damals als Kind in die raue Krippe der Wirklichkeit gelegt hat. Und das dürfen, das sollen wir auch in diesem Jahr feiern! Darauf lässt es sich freuen, dass sich daran nichts geändert hat. Dazu können wir die Lichter in unseren Wohnungen anzünden, die davon zeugen: „Das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“ (Johannes 1,5) Und wir dürfen uns dieses Licht einander bezeugen.

So abstrakt und unpersönlich uns das im Moment auch vorkommen mag, wir tun dies auch mit dem Verzicht, der aus der Rücksichtnahme entspringt; aus der Rücksicht auf Menschen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko, aus der Rücksicht auf die Behandelnden, Pflegende und Helfenden in den Krankenhäusern und pflegenden Einrichtungen.

Wir können das Licht einander bezeugen im Gebet füreinander, in dem geschriebenen Brief oder der Karte, in dem gesungenen Lied am Telefon, in allem, mit dem wir einander zeigen, dass wir einander wichtig sind. Und wir dürfen dem Licht für uns selbst glauben, wenn wir es entzünden am Adventskranz, auf den Schwibbögen und später am Weihnachtsbaum. Vielleicht finden wir im kleinen Kreis oder allein ganz neue Momente der Ruhe und der Besinnung, eine Form der Andacht, die mal gar nicht mit Worten gefüllt ist. Gott kommt auch in unsere Häuser, ja gerade da will er zu Hause sein. Ja, das dürfen wir uns vorstellen: dein König kommt zu dir.

Mit herzlichen Grüßen von allen Mitarbeitenden und dem Kirchenvorstand wünsche ich:
Bleiben Sie behütet!

Pfarrer Cornelius Epperlein

Wochenspruch zum 1. Adventssonntag

Siehe,
dein König kommt zu dir,
ein Gerechter und ein Helfer.

Sacharja 9,9

 

Advent

Psalm für den 2. Sonntag im Advent

Siehe, der HERR wird kommen,
zu erlösen die Völker;
er wird seine herrliche Stimme erschallen lassen,
und ihr werdet euch von Herzen freuen.

Du Hirte Israels, höre,
der du dein Volk hütest wie Schafe, erscheine!

Der du thronest über den Cherubim,
erwecke deine Kraft und komm uns zu Hilfe!

So wollen wir nicht von dir weichen.
Lass uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen.

Herr, Gott Zebaoth, tröste uns;
lass leuchten dein Antlitz, so genesen wir.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,
wie es war im Anfang, jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.