An(ge)dacht

Liebe Gemeinde,

Vielleicht ist Ihnen dieses Bild zu wenig weihnachtlich: keine Kerzen, kein Christkind, keine Engel, keine Hirten, keine Könige usw. Ein Weihnachtsbild muss doch stimmungsvoll sein – in warmen Ocker oder mit einem Kontrast von hell und dunkel. Aber hier: Ein Päckchen deutlich als Geschenk zu erkennen, denn es ist in Geschenkpapier eingeschlagen und mit einem Schleifenband versehen. Ein Geschenk eben. Es steht aber nicht auf dem Gabentisch oder unter dem Christbaum, sondern in einem Kellerfenster, das an einem Gitterfenster erkennbar ist. Für wen ist es bestimmt und wer wird es entdecken? Eins steht fest: Dieses Geschenk ist ganz unten angekommen an einem Ort, wo es niemand vermutet.

Advent

Das Geschehen zur Geburt Jesu war nicht anders. Gott schenkt sich seiner Welt und er kommt ganz nach unten. Sein Geschenk ist an einem Ort zu finden, wo es niemand vermutet: in einem Stall. Aber trotzdem sind dort Menschen, die dieses Geschenk finden und annehmen: Maria, Josef, die Hirten und die Sterndeuter aus dem Morgenland. Maria und Josef hatten eine schwierige Zeit hinter sich, in der sie wohl manchmal ganz unten waren. Die Hirten sahen sich ohnehin am unteren Rand der Gesellschaft – von allen schräg angesehen. Die Sterndeuter aus dem Morgenland scheuen sich nicht, ganz nach unten zu gehen und sie entdecken ein Geschenk, gegenüber dem ihre königlichen Geschenke nur ein matter Abglanz sind. Sie entdecken ein Geschenk, das ihren Weg und ihr Leben verändern wird.

Gott ist ganz unten, er kommt nach ganz unten. Er verändert und verwandelt das Leben derer, die dort ganz unten sind – und das ist immer wieder zum Staunen. Maria preist sich glücklich, dass Gott Großes an ihr getan hat. Josef findet sich in seine neue Rolle als Beschützer des Kindes hinein. Die Hirten sehen sich in ihrem Wert als Menschen bestärkt, denn sie erfahren zuerst die Botschaft von der Geburt Jesu. Die Sterndeuter aus dem Morgenland verlassen ihre gewohnten Wege und gehen den Weg in die Heimat als veränderte Menschen.

Auch zum diesjährigen Weihnachtsfest und eigentlich immer ist Gott ganz unten, kommt nach ganz unten. Er kommt zu den pandemiemüden Menschen, zu Eltern und Kindern, zu Jungen und Alten. Er kommt zu denjenigen, die für andere besondere Lasten tragen in den Krankenhäusern und Altersheimen. Er kommt zu den Kranken und Sterbenden. Er kommt zu den Menschen, die viel Kraft für die Erhaltung unserer Schöpfung eingesetzt haben und weiter einsetzen. Er kommt zu vielen anderen und zu einem jeden, der ihm die Tür oder auch das Kellerfenster öffnet.

»Unser Gott kommt und schweigt nicht.« heißt es im Psalm 50,2. Gott kommt und verändert uns und unsere Welt. Diese Gewissheit steht auch über dem Weihnachtsfest 2021. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen und uns gesegnete Weihnachten.

Ihr Pfarrer Burkhard Nitzsche

Monatsspruch Dezember

Freue dich und sei fröhlich,
du Tochter Zion!
Denn siehe,
ich komme und will bei dir wohnen,
spricht der HERR. 

Sacharja 2,14