An(ge)dacht

Liebe Besucherinnen und Besucher unserer Internetseite,

der ganze 139. Psalm fühlt sich an, als sänge einer davon, dass er sich ganz von Liebe umfasst fühlt. Aus den Worten spricht tiefstes unverstellte Urvertrauen. Da weiß sich ein Mensch geliebt, ist seine Sehnsucht nach Liebe; angekommen in dem Erleben, dass es diese Liebe gibt und sie ihn hält.

Diese Sehnsucht kennen wir wohl alle. Als kleine Kinder mit der simplen Sehnsucht, dass uns die Großen vorbehaltlos liebhaben. Und größer geworden  hoffen wir darauf, dass es Menschen in unserer Nähe gibt, die uns einfach so schätzen, wie wir sind. Auch wenn zu uns manche Unzulänglichkeit gehört. Und wir dürfen erwarten, dass uns die Einschränkungen, die uns das Alter aufbürdet, nicht zum Vorwurf gemacht werden.

Wie können wir diese Sehnsucht stillen, jedenfalls ein bisschen? Zwei Antwortversuche, die ich in diesem Psalm finden kann:

1)  Im Tempel von Jerusalem hat einer vor langer Zeit die Hände weit ausgestreckt und voll Inbrunst diese Worte gesprochen: „Herr, du erforschest mich und kennest mich. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Du verstehst meine Gedanken von ferne.“ Und dann ruft der Mensch noch, mitten in seinem Erstaunen: „Ich danke dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.“

Das ist ein so sehnsüchtiges wie dankbares Gebet. Hier fühlt sich ein Mensch gut aufgehoben im Haus Gottes, in der Nähe Gottes. Er freut sich und bekennt aus tiefstem Herzen, dass Gott ihn annimmt und anerkennt. Der große Gott beschäftigt sich mit einem kleinen Menschen. Darüber gerät der Mensch ins Staunen und wird dankbar und fröhlich; und weiß, ich kann meinen Schmerz und meine Not loswerden im Gebet. Das ist eine Hilfe. Er spürt, Liebe ist die stille Mitte der Welt. Und sie ist wahrhaftig, sie umfasst mich als Einzelnen und sie setzt mich in Beziehung. Und darum:

2)  Machen Sie sich bitte auch selber auf, gehen Sie zu Menschen und zeigen ihnen, dass Sie sie achten und schätzen. Sagen Sie denen, mit denen Sie zusammenleben und -arbeiten, dass Sie sie brauchen und schätzen. Trauen Sie sich, auch bei den sogenannten Unordentlichen nach Liebe zu suchen. Manchmal ist im Krummen und Unreinen mehr Herz als in den sauberen Vierecken.

Vermeiden Sie harte oder gar bittere Worte. Machen Sie einfach nicht mit, wenn gelästert wird oder verspottet wird. Trauen Sie nicht Ihrem ersten Blick, schauen Sie ruhig zwei- oder dreimal hin, dann sieht manches womöglich schon anders aus als zu Beginn. Versuchen Sie, Schuld und Fehler nicht immer wieder aufzurechnen.

Liebe ist die stille Mitte der Welt. Liebe ist der Ort, an dem mancher Sturm vorbeizieht. Darum sehnen wir uns so danach, geliebt zu werden und zu lieben. Darum sehnen wir uns nach Wert und Anerkennung. Weil wir einfach geborgen sein wollen an guten und bösen Tagen des Lebens. Natürlich auch am letzten Tag des Lebens, wenn Gott uns zu sich holt an den Ort den er uns bereitet hat, in die endgültige Stille der Welt. Bis dahin aber strecken wir uns aus und suchen den Ort, an dem wir anerkannt sind, wertvoll, geliebt. Der eine Ort ist da, wo wir die Hände falten. Der andere Ort ist, wo wir mit unseren Herzen bei den anderen sind.

Ihr Pfarrer Cornelius Epperlein

Hier gibt es den mit Pirna-TV erstellten Ostergruß der Gemeinde zum nachsehen. Die Videoandachten zur Mittagspause aus den Wochen, in denen wir keine Gottesdienste feiern konnten, finden Sie an dieser Stelle.

Monatspruch September

Ja, Gott war es,
der in Christus
die Welt
mit sich versöhnt hat. 

2.Korinther 5,19

 

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