An(ge)dacht
Liebe Leserinnen und Leser,
ein neues Jahr hat begonnen, damit verbunden wird uns auch eine neue Jahreslosung zugesprochen. Sie stammt aus dem Buch der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel und lautet:
»Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!«
(Offenbarung 21,5)
Nachdem wir in der Offenbarung, auch Apokalypse genannt, eine Vision des Propheten Johannes über das Ende der Welt lesen können, in der sehr viel Katastrophen/Abgründe /Unheil /Mystik geschieht, wird im letzten Kapitel dieses Buches der Bibel von deren Überwindung und Heil erzählt. Der große Bogen, den die Bibel aufmacht, zwischen Schöpfung und Apokalypse endet ganz zum Schluss gut und hoffnungsvoll. Diesen Trost gibt uns Johannes mit, diesen Trost brauchen wir im Leben und beim Abschied immer wieder.
Der Prophet Johannes gehörte zu den ersten Christengemeinden vermutlich unter dem Kaiser Nero. Er verfasste den Text während der Zeit seiner Verbannung auf der Insel Patmos, denn Andacht damals wurden die Christen durch das Römische Reich verfolgt.
Die Offenbarung wurde später von den Leserinnen und Lesern häufig als Katastrophenbericht verstanden, zumal darin viele Symbole und Visionen vorkommen, die eher pessimistisch stimmen.
Aber sein Buch endet mit Trost und Überwindung allen Leides in Gottes Nähe und in seinem Reich. So lesen wir vor dem Satz der Jahreslosung: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein“. Johannes zeichnet in seiner Vision eine Stadt, die Schutz bietet und in der „nichts Unreines“ hineinkommt. Denn in dieser neuen Welt wohnen die Menschen ganz nah bei Gott. Johannes schildert in seinem Text eine komplette Verwandlung. Die alte Welt mit all dem Unrecht, der Einsamkeit, der Gewalt verschwindet und wird überwunden. Aber es geht für ihn noch tiefer, er wünscht sich eine tiefgreifende Verwandlung der Welt und des eigenen Lebens. Die alte Welt soll dabei nicht überdeckt, sondern überwunden werden. Und Gott ist nicht distanzierter Beobachter, sondern er handelt, er heilt und schenkt Hoffnung.
Gerade in diesen Tagen, wo wir die Welt wieder als Krisenort erleben, der uns verunsichert und ängstigt, liegt uns mit der Jahreslosung ein großer Gegenentwurf vor. Denn während wir uns zurückwünschen zu alt bekanntem, zu einschätzbarem, werden wir aufgefordert uns auf Neues einzulassen. Und das setzt Vertrauen und Hoffnung voraus, beidem stehen wir grade kritisch gegenüber. Und wir werden aufgerufen, die Welt mitzugestalten und zu verbessern.
Lassen wir uns dazu einladen? – Eigentlich setzt die Jahreslosung genau da an, wo wir das Gefühl haben, das meiste zu vermissen – bei Frieden, Gerechtigkeit, Vergebung und Liebe. Andacht Siehe, ich mache alles neu! – das sagt uns Gott. Er will die Welt verändern und erneuern. Aber das „Siehe“ ist auf uns gemünzt. Hinsehen müssten wir schon. Dorthin, wo er einen Anfang macht, dorthin, wo er Hoffnung weckt, dorthin, wo Neues wächst.
Und vielleicht steckt er uns ja an – neue Wege zu gehen, Beziehungen zu erneuern und Trost zu spenden.
Ein gesegnetes und hoffnungsvolles Jahr
wünsche ich Ihnen, Ihre Brigitte Lammert
(Mit Anregungen aus dem Sonntagsblatt)
Monatsspruch Januar
Du sollst den HERRN,
deinen Gott,
lieben mit ganzem Herzen,
mit ganzer Seele
und mit aller Kraft.
5. Mose 6,5

