An(ge)dacht

 

Liebe Schwestern und Brüder,

der älteste Baum der Welt ist vermutlich eine Fichte in Schweden. Sie hat nämlich ganze 9500 Jahre auf dem Buckel – bzw. auf der Krone. Damit ist sie 10-mal so alt wie der biblische Methusalem, der laut dem Buch Genesis 969 Jahre alt wurde. Der aktuell höchste Baum der Welt ist der Küstenmammutbaum »Hyperion« im Redwood National Park in Kalifornien. Er misst stolze 115,5 m.
Aber einer der speziellsten Bäume, die ich bisher selbst gesehen habe, ist der auf unserem Deckblatt. Dieser Baum steht in den Royal Botanic Gardens in Sydney. Ich musste sofort an ihn denken, als ich den Monatsspruch für den August gelesen habe:

Jubeln sollen die Bäume des Waldes
vor dem HERRN, denn er kommt,
um die Erde zu richten.

1.Chr 16,33

Diesen Vers findet man in Davids Dankpsalm ziemlich am Ende. David schreibt den Psalm, nachdem er mit Erfolg die Bundeslade mit den zwei Steintafeln der 10 Gebote nach Jerusalem überführt hat. Dieses Vorhaben war nicht einfach und ist vorher schon mal gescheitert. Aber nun ist es gelungen und er trägt seinen Brüdern auf, den Herrn zu preisen – mit diesem Psalm. Denn endlich hat das Volk Israel ein neuerrichtetes Heiligtum. Einen Ort, an dem Gott gelobt und gepriesen werden soll. David gibt mit diesem Psalm eine Anleitung zum Lobpreis Gottes. Aber nicht nur Israel soll den Herrn loben, sondern die ganze Völkerwelt, und nicht nur die Menschen, sondern die ganze Schöpfung. In den Versen vor unserem Monatsspruch spricht er vom Himmel, vom Meer und den Feldern, die alle auf ihre Art dem Herrn zujubeln. Und schlussendlich die Bäume. Und ehrlich gesagt, fällt es mir nicht schwer, das zu erkennen. Wer könnte besseren Lobpreis geben als Bäume? Bäume, die 90-mal so alt und 60mal so groß werden, wie wir Menschen; Bäume, die in Richtung Himmel wachsen; die sich nach oben zum Licht ausstrecken und ihre Äste und Blätter in alle Richtungen ausweiten. Ich verstehe, wie Bäume unseren Gott loben können.
Aber der Baum auf unserem Deckblatt ist für mich nicht nur ein Sinnbild des Lobpreises. Er erinnert mich an den Glaubensweg, den ein Mensch gehen kann. Er ist tiefverwurzelt, fest im Boden verankert und trotzdem kreuz und quer gewachsen. Da gibt es kaum einen graden Weg nach oben zum Herrn. Da sind Kreuzungen und Abzweigungen. So wie es mit unserer Beziehung zu Gott auch manchmal ist. Manchmal gehe ich viele Umwege, bis ich endlich einen Weg zu Gott gefunden habe. Manchmal erschüttert mich ein Erlebnis, sodass ich im Glauben wanke. Dann brauche ich solche Extrawurzeln wie der Baum, der von seinen Ästen nochmal Wurzeln in den Boden schickt, um nicht zusammen zu brechen.
Trotz allen Widrigkeiten und Verwirrungen steht der Baum. Trotz allen Anfechtungen und Zweifeln steht der Glaube zu Gott. Durch seine Liebe und Gnade. Durch seinen Halt, den er uns auch in den schwersten Momenten des Lebens geben will.
Ein Baum als Bild des Glaubens, ein Baum als Zeichen der Stärke Gottes, ein Baum als Lobpreis an den Herrn. Ein Baum als Erinnerung an uns, dass wir nur ein kleiner Teil der Schöpfung Gottes sind.

Deorah Gräßer

Monatsspruch August

Jubeln sollen die Bäume
des Waldes
vor dem HERRN,
denn er kommt,
um die Erde zu richten.

1. Chronik 16.33

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