An(ge)dacht

Liebe Leserinnen und Leser,

nun sind die Krippenspielproben in unseren Gemeinden längst wieder im Gange. Auch ich darf ein Krippenspiel mit Kindern unserer Gemeinde einstudieren. Letzte Woche war die erste Probe samt Rollenverteilung.
Es ist ja immer ein Wagnis. Man weiß nie genau, wer kommt. Man sucht also ein Krippenspiel heraus und hofft, dass sich die passenden Kinder finden.
Ich bin dankbar. Die Kinder kommen zahlreich. Drei Mädchen sind dabei und können sich für keine der angedachten Rollen begeistern. Im letzten Jahr waren sie noch recht klein und haben deshalb drei Engel gespielt, die dem Hauptengel assistierten, aber wenig Text zu lernen hatten. Sie wissen heute ganz genau, was sie wollen: „Wir sind wieder Engel!“
Wie sollen wir es ihnen sagen? Im diesjährigen Krippenspiel sind klassische Weihnachtsengel nicht vorgesehen. Es gibt lediglich einen Engel undercover. Aber das mag ich ihnen so nicht sagen. Wir beraten uns kurz und beschließen, dem verdeckt agierenden Himmelsboten wiederum ein kleines Team der himmlischen Heerscharen zuzuordnen – wir können die Mädchen unmöglich enttäuschen. Sie sind halt auch zu herzig, diese drei. Sie sehen genau so aus, wie man sich einen Weihnachtsengel vorstellt.

Sie sehen damit so ganz anders aus als die Engel, von denen uns in der Bibel berichtet wird. Das, was da erzählt wird, ist alles andere als niedlich. Was meinen Sie, warum die biblischen Engel ihre Botschaft in der Regel mit einem „Fürchtet euch nicht!“ beginnen? Die Hirten fallen vor Schreck in sich zusammen und auf die Knie. War es das Licht, war es die Botschaft oder nicht vielleicht doch auch ihr wahrhaft erschreckender Auftritt, der die Menschen in die Knie zwang? Ich stöbere ein wenig in Gottes Wort. Im harmlosesten Fall, so scheint es, tritt Menschen der Bote Gottes in Gestalt eines Mannes entgegen. Die Frauen an Jesu Grab schilderten ihre Begegnung mit dem Engel so.
Jesaja beschreibt es anders. Er sah in seiner Vision sechsflügelige Wesen, die um Gottes Thron kreisten. Und das, was Ezechiel gesehen hat, klingt noch bizarrer: Ein Wesen mit mehreren Köpfen, halb Mensch, halb Tier, mit Rädern, über und über mit Augen bedeckt. Wenn das mal nicht ein Grund ist, sich ernsthaft zu fürchten.
Was wollen uns diese eigenartigen, furchterregenden Bilder sagen? Vermutlich vor allem das: Sie sind Ausdruck des Unsagbaren. Sie bezeugen eine andere Welt, die Boten Gottes. Sie machen für einen Moment etwas sichtbar, was mit unseren gewöhnlichen Worten weder zu fassen noch zu beschreiben ist.
Was für eine Diskrepanz zwischen diesen kleinen, niedlichen und äußerst harmlosen Kinderfiguren mit Stummelflügeln und den Gottesboten in der mächtigen Bildsprache der Bibel. Mir scheint, die niedlichen Engelein entsprechen doch ganz und gar dem, was wir von der Weihnachtsbotschaft übriggelassen haben. Beide sind klein, beherrschbar und ohne Überraschungen – alle Jahre wieder.
Der Grund von Weihnachten aber ist ein anderer: Dass Gott für einen Moment die Tür in seine Welt einen Spaltbreit aufmacht. Dass er sichtbar macht, was sonst im Verborgenen liegt. Heiliger Schrecken, der die befällt, die sehen dürfen.

Eine gesegnete Zeit wünsche ich Ihnen
Ihre Elisabeth Süßmitt

Monatsspruch Dezember

Gott spricht:
Euch aber,
die ihr meinen Namen fürchtet,
soll aufgehen
die Sonne der Gerechtigkeit
und Heil unter ihren Flügeln..

Maleachi 3,20

 

Sonne